Schilddrüse

Häufige Fragen zu Schilddrüsendiagnostik und -therapie (FAQ)

Muss man eine Schilddrüse im Fall einer Operation prinzipiell komplett heraus operieren?
Das Ausmaß einer Schilddrüsenoperation sollte sich nach den individuellen Gegebenheiten des Patienten richten. Oft ist die Nachsorge einfacher, wenn noch ein kleiner Rest der Schilddrüse „mitarbeiten“ kann.
Muss man einen kalten Schilddrüsenknoten mit einem Durchmesser von weniger als 1 cm prinzipiell operieren?
Nach den Leitlinien der entsprechenden Fachgesellschaften (Endokrinologie, Nuklearmedizin, Chirurgie) nicht. Ein solcher Knoten ist kontrollbedürftig, er kann bei bestimmten Voraussetzungen punktiert werden.
Kann man heiße und kalte Knoten allein durch den Ultraschall unterscheiden?
Nein, diese Unterscheidung ist nur durch eine Szintigraphie zu treffen, evtl. nach vorheriger Gabe von Schilddrüsenhormonen über etwa 14 Tage.
Darf man in der Schwangerschaft Schilddrüsenhormone einnehmen?
Gerade in einer Schwangerschaft ist es wichtig, eine normale Schilddrüsenstoffwechselsituation aufrecht zu erhalten. In einer Unterfunktion müssen deswegen sogar Schilddrüsenhormone gegeben werden, und das unter etwas engmaschigeren Kontrollen als sonst.
Wie lange dauert ein Krankenhausaufenthalt bei einer Schilddrüsenoperation?
Im Allgemeinen ist die Schilddrüsenoperation eine unproblematische Angelegenheit, im Vergleich zu früheren Jahren hat sich die Verweildauer im stationären Bereich drastisch verkürzt (von früher 14 auf heutzutage 3 – 6 Tage). Diese Zeiten sind aber von den individuellen Gegebenheiten beim Patienten abhängig.
Führt eine Hashimotothyreoiditis zu Verminderung der Produktion anderer hormoneller Drüsen?
Wir sehen (allerdings sehr selten) die zusätzliche Verminderung der Cortisonproduktion der Nebennieren und/oder der Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse als sogenannte „Mehrdrüsenerkrankung“. Bei den endokrinologischen Kontrolluntersuchungen achtet man deswegen frühzeitig auf entsprechende Symptome oder Beschwerden der Patienten.
Wichtige Fragen und Antworten zur Schilddrüse sind in der Broschüre des Forums Schilddrüse (Mitherausgeber Dr. M. Beyer) erschienen und hier downloadbar.

Diagnostik

Lange Zeit gab es keine andere Möglichkeit zur Untersuchung der Schilddrüse als das Tasten, Messen des Halsumfangs und einige Methoden zur Bestimmung des so genannten Grundumsatzes.

Das hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt: Sowohl über die Lage und Konsistenz, das Vorhandensein von Knoten, die Funktion des gesamten Organs und einzelner Bezirke lassen sich sehr genaue Informationen erhalten. Dabei ist es für eine optimale Beratung der Patienten und die langfristige Therapieführung ein großer Vorteil, wenn sowohl die bildgebenden Verfahren (Sonographie und Szintigraphie) als auch die labordiagnostischen Methoden in der Hand und Verantwortung des selben Untersuchers liegen.

Größe, Lage, Konsistenz und etwaige Knoten

Nach dem Abtasten des Halses wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Ein speziell dafür vorgesehener Schallkopf zeigt die Größe der Schilddrüse, die Lage zu anderen Halsorganen (Blutgefäße, Luftröhre) und evtl. vorliegende Knoten. Die Untersuchung ist völlig ungefährlich, auch in der Schwangerschaft durchführbar und läßt in der geübten Hand sehr gute Verlaufskontrollen über längere Zeiten zu. Besser ausgerüstete Ultraschallgeräte erlauben die dopplersonographische Darstellung sehr kleiner Gefäße und damit die Unterscheidung zwischen Gefäßquerschnitten und kleinsten Cysten. Diese Option ist mittlerweile wichtig geworden zur Beurteilung des Gefäßreichtums einzelner Knoten. Die Untersuchung dauert etwa 10 min. Zusätzlich können wir seit kurzer Zeit eine „Elastographie“ der Knoten zur Frage der Konsistenz durchführen.
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Funktion der gesamten Schilddrüse

Hormonbestimmung: über eine Blutuntersuchung kann die Menge der von der Schilddrüse produzierten Hormone genau bestimmt werden. Der Spezialist vermag zusätzlich noch Hinweise auf entzündliche Veränderungen zu erlangen, kann die Funktion der Nebenschilddrüsen untersuchen usw.
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Funktion einzelner Abschnitte des Organs

Wenn hinreichend genaue Vorbefunde des Ultraschalls und der Blutuntersuchung vorliegen, ist beim Vorliegen bestimmter Störungen wie Knotenbildung oder Überfunktion des Organs eine sogenannte Szintigraphie erforderlich. Hier nutzt man die Fähigkeit der Schilddrüse aus, Jod und ähnliche Substanzen über eine gewisse Zeit zu sammeln und einzulagern.

Man verwendet zum Beispiel schwach radioaktiv markiertes Technetium mit sehr kurzen Halbwertszeiten, um Bilder wie das hier Gezeigte zu erhalten. Die Substanz wird überall dort verstärkt aufgenommen, wo die Schilddrüse mehr oder stärker arbeitet. Dabei wird nicht die Größe des Organs gemessen, wie vielfach von Laien angenommen, sondern die Fähigkeit einzelner Abschnitte, Hormone herzustellen.

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Diese Untersuchung dauert bei uns etwa 30 min mit Befundbesprechung durch die Ärztin oder den Arzt. Die Strahlenbelastung entspricht in etwa der einer normalen Röntgenaufnahme der Lunge. Das Technetium ist wegen seiner kurzen Halbwertzeit und der damit verbundenen geringen Strahlenbelastung besonders gut für diese Diagnostik im ambulanten Bereich geeignet.

Wichtig: Mittlerweile sind sich Endokrinologen, Nuklearmediziner und Chirurgen einig, dass vor einer Operation mittels eines Szintigramms eindeutig geklärt sein sollte, ob ein Knoten nicht doch ein so genanntes „kompensiertes“ autonomes Adenom ist („heißer“ Knoten, der im Vergleich zum umgebenden Gewebe noch keine deutlich erhöhte Aktivität hat). Diese Sonderform oder Vorstufe des dekompensierten und zur Überfunktion führenden Knotens ist im Grunde genommen nicht operationsbedürftig und lässt sich durch eine Punktion vor der Operation nicht erkennen.

Jodversorgung und Jodmangel

Die Schilddrüse braucht zur Herstellung der Schilddrüsenhormone ca 180 – 200 µg Jodid täglich, in der Schwangerschaft und Stillzeit noch mehr. Dieses Spurenelement ist in vielen Ländern der Erde Mangelware:

Man geht davon aus, dass nach der letzten Eiszeit durch Abschürfen und Wegschwemmen von Erdschichten der Jodanteil im Erdboden und damit am Beginn unserer Nahrungskette erheblich vermindert wurde. Vor 20 Jahren gab es Untersuchungen, die eine tägliche Jodaufnahme von weit unter der Hälfte des eigentlichen Bedarfs in Deutschland nachwies. Wenn die Schilddrüse nicht genug Jod erhält, vergrößert sie sich zunächst und bildet später Knoten aus.
Seit vielen Jahren versucht man in Deutschland, die Jodversorgung der Bevölkerung zu verbessern (Jodsalz, Milchprodukte). Diese Bemühungen bescheren Erfolge: Es gibt einige Studien, die zeigen, dass in vielen Teilen der Republik die weitverbreitete Verwendung von jodiertem Speisesalz und die Verwendung von jodhaltigem Mischfutter bei Milchkühen (über Milchprodukte) zu einer normalen Jodausscheidung im Urin führt (das ist ein Maß für die Aufnahme von Jodid mit der Nahrung). Der WHO Report Iodine Supply 2004 (excerpt) zeigt bereits 2004 für Deutschland eine vergleichsweise gute Jodversorgung. Deswegen wird nur noch bei Schwangeren und Stillenden die Empfehlung zu einer generellen Jodsubstitution in Tablettenform ausgesprochen Jodversorgung BRD 2007 dazu als PDF-Download (950 KB). Siehe dazu auch unsere Politik-Seite…

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Ein Vorteil durch jodhaltige Meeresalgen oder sogenannte Nahrungsergänzungsmittel wird nicht gesehen. Gerade in Algenpräparaten ist der Jodanteil oft nur schwer zu kalkulieren. Sogenanntes Meersalz enthält meist ebenfalls zu wenig Jod!

Wichtig ist allerdings: Man darf in den Bemühungen um eine gute Jodversorgung nicht nachlassen, in vielen industriell hergestellten Nahrungsmitteln fehlt immer noch die Jodsalzverwendung.

So ist es erforderlich, die mit der Ernährungsumstellung erreichten Erfolge durch Verwendung von jodiertem Speisesalz weiter zu hegen und zu pflegen. Aufklärungskampagnen zum Beispiel durch den Arbeitskreis Jodmangel versuchen, den Menschen die Wichtigkeit der jodhaltigen Ernährung zu verdeutlichen.
Stimmen, die im Gegensatz dazu eine Gefährdung der Bevölkerung durch jodiertes Speisesalz, durch Ernährung mit Seefisch oder Milchprodukten propagieren, riskieren, dass wir wieder in ein „Jodmittelalter“ zurückfallen. Dazu hier eine Stellungnahme der DGE zum Jodmangel (Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie) nach einem ZDF-Beitrag 2014.

Download: Tabelle Jodgehalt

Schilddrüsenüberfunktion

Überfunktionen der Schilddrüse sind sowohl durch einzelne oder mehrere Knoten, als auch durch das gesamte Organ möglich (z.B. bei Schilddrüsenentzündungen im Sinne des Morbus Basedow).
Symptome: Gewichtsabnahme, Muskulaturabbau, verstärktes Schwitzen, diffuser Haarverlust, Pulserhöhung, Herzrhythmusstörungen u.a.

Therapie: Wenn einzelne Knoten zu viel Schilddrüsenhormone produzieren, ist nach einer medikamentösen Therapie meist entweder eine Radiojodbehandlung oder eine Operation erforderlich. Dabei ist es wichtig, über eine Ultraschalluntersuchung exakt zu klären, dass keine weiteren kalten Knoten vorliegen.

Medikamentöse Maßnahmen sind vorwiegend bei durch einen Morbus Basedow verursachten Überfunktionen sinnvoll. Hier besteht die Möglichkeit, dass bei längerfristig guter Einstellung der Schilddrüsenfunktion eine dauerhafte Heilung eintritt. Es ist in diesem Zusammenhang von großem Vorteil für die langfristige Therapieführung, wenn sowohl die Diagnostik als auch die Kontrollen der Schilddrüsenüberfunktion in der Hand eines einzelnen, in dieser Angelegenheit erfahrenen Arztes oder einer Ärztin liegen.

Hier ein Download der Broschüre „Schilddrüsenüberfunktion“ des Forum Schilddrüse e.V. aus Frankfurt unter Mitwirkung von Dr. Mathias Beyer (PDF-File, 134 kB).

Schilddrüsenunterfunktion

Unterfunktionen der Schilddrüse treten entweder angeboren oder erworben auf, die erworbenen Unterfunktionen meist durch Entzündungen der Schilddrüse oder durch äußere Massnahmen wie Operation oder Radiojodtherapie.
Symptome: Leistungsabfall, verstärktes Frieren, stumpfes Haar, trockene Haut, Appetitverminderung, seltener Gewichtszunahme, Pulsverlangsamung, Fettstoffwechselstörungen, Zyklusstörungen, Depressionen u.a.

Therapie: Die Gabe von Schildrüsenhormonen ist insbesondere bei angeborenen Unterfunktionen eine wichtige, in regelmäßigen Abständen auf ihre Effektivität hin zu kontrollierende Maßnahme. Dabei sind die Schilddrüsenhormone exakt so synthetisiert, wie die Schilddrüse selbst sie auch herstellen würde. Im allgemeinen gibt man nur das L-Thyroxin (T4), welches im Körper in verschiedenen Organen in das Trijodthyronin (T3) umgewandelt wird. Es handelt sich bei Schilddrüsenhormonpräparaten also nicht um körperfremde Substanzen, sondern um lebensnotwendige körpereigene Stoffe! Die mittlerweile vereinzelt als besonders „natürlich“ propagierten Extrakte von Schweineschilddrüsen haben nach wie vor das Problem nicht gesicherter Reinigungsverfahren und teilweise zu hoher T3-Anteile und werden von uns normalerweise nicht eingesetzt. Die Therapieführung des Patienten ist unserer langjährigen Erfahrung nach mit den etablierten Präparaten wesentlich problemloser.

Wichtig: So genannte latente Unterfunktionen (TSH erhöht, Schilddrüsenhormone noch normal) werden häufig nur als Zufallsbefund bei einer routinemäßigen Laboruntersuchung entdeckt. Dabei kann man sich immer wieder darüber streiten, ab welcher Situation die Gabe von Schilddrüsenhormonen sinnvoll ist. Bei Kindern bis zum etwa 10. Lebensjahr gibt es außerdem höhere Normwerte für das TSH, hier sollte nicht jede kleine Veränderung sofort zur Gabe von Hormonen führen.

Zum Download der Broschüre „Schilddrüsenunterfunktion“ des Forum Schilddrüse e.V. aus Frankfurt unter Mitwirkung von Dr. Mathias Beyer (PDF-File, 125 kB).

Latente Funktionsstörungen

So genannte latente Funktionsstörungen sind dadurch charakterisiert, dass die Hormone selbst (T4 und T3) im normalen Bereich liegen und die Hirnanhangsdrüse über ein niedriges TSH die Schilddrüse bremst (latente Hyperthyreose) oder über ein hohes TSH versucht, die Produktion zu steigern (latente Hypothyreose). Solche Zustände können sich über sehr lange Zeit stabil halten.
Bei latenten Überfunktionen (Hyperthyreosen) besteht die Gefahr, dass z.B. über eine Röntgen-Untersuchung mit einem jodhaltigen Kontrastmittel im Laufe von einige Tagen oder Wochen eine manifeste („richtige“) Überfunktion entsteht, die dann unter Umständen nur schwer medikamentös zu behandeln ist.

Entzündungen der Schilddrüse (Morbus Basedow und Hashimotothyreoiditis)

Funktionsstörungen der Schilddrüse werden sehr häufig durch entzündliche Veränderungen der Schilddrüse hervorgerufen. Dabei spielen Autoimmunvorgänge mit verschiedenen Antikörpern eine entscheidende Rolle.

Die Ursache der Entstehung dieser Antikörper ist noch unklar. Sie können die Schilddrüse sowohl in ihrer Produktion hemmen (Hashimotothyreoiditis mit Unterfunktion) als auch zur Mehrarbeit (Morbus Basedow mit Überfunktion) stimulieren. Die Therapie ist scheinbar einfach, wenn es um die Gabe von Schilddrüsenhormonen oder um die Bremse einer Überfunktion geht. Wegen immer wieder entstehender multipler Beschwerden erfordert die Behandlung jedoch oft eine Langzeitbetreuung der Patienten durch den in dieser Angelegenheit erfahrenen Arzt. Wichtig: Diese Erkrankung darf nicht mit der so genannten „Subakuten Thyreoiditis“ verwechselt werden!

Als Download:
Vortrag von Dr. Beyer zur Hashimotothyreoiditis (PDF-File, 2,8 MB),
Broschüre des Forum Schilddrüse zur Hashimotothyreoiditis (PDF-File, 555 kB)
Artikel zur Subakuten Thyreoiditis de Quervain von Dr. Beyer (PDF-File, 210 kB)

Wichtig: So genannte latente Unterfunktionen (TSH erhöht, Schilddrüsenhormone noch normal) werden häufig nur als Zufallsbefund bei einer routinemäßigen Laboruntersuchung entdeckt. Dabei kann man sich immer wieder darüber streiten, ab welcher Situation die Gabe von Schilddrüsenhormonen sinnvoll ist. Bei Kindern bis zum etwa 10. Lebensjahr gibt es außerdem höhere Normwerte für das TSH, hier wird nicht jede kleine Veränderung sofort zur Gabe von Hormonen führen.

Übrigens: Es gibt keine Hinweise darauf, dass die offiziell empfohlenen Impfungen bei Kindern und Erwachsenen (Robert-Koch-Institut) Patienten mit einer Hashimoto-Thyreoiditis Probleme bereiten oder dass eine erhöhte Rate an Impfkomplikationen besteht.

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Selen

Es gibt Untersuchungen, nach denen sich Patienten mit allgemeinem Unwohlsein bei hohen Antikörperkonzentrationen unter der Einnahme von Selenpräparaten besser fühlten. Man weiß, dass Selen für verschiedene Enzyme des Schilddrüsenstoffwechsels wichtig ist. Bei einigen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, allergischem Asthma und Morbus Crohn scheint es eine therapeutische Wirkung zu haben.
Es wurden aus diesem Grund viele Studien bezüglich der Abheilungstendenz von Autoimmunthyreoiditiden unter Selen durchgeführt. Die „Datenlage“ ist unklar, bisher kann nicht nachgewiesen werden, dass eine Unterfunktion der Schilddrüse aufgrund einer Hashimotothyreoiditis tatsächlich durch Selen vermieden oder auch nur abgemildert wird. Bezüglich des Risikos zur Entwicklung anderer Erkrankungen unter einer Selentherapie (Typ II-Diabetes, sogar bösartige Erkrankungen) herrscht Uneinigkeit.

Krankenkassen bezahlen zur Zeit eine derartige Therapie wenn überhaupt nur bei nachgewiesenem Selenmangel (die Tagestherapiekosten liegen jedoch unterhalb von 1,- Euro). Wer es günstiger haben will, kann auch über den Genuss von Paranüssen Selen in einer ausreichenden Menge zu sich nehmen (1 Paranuss enthält ca 50 µg Selen).

Es gibt Hinweise darauf, dass bei Basedow-Erkrankungen mit Augenbeteiligung eine Selentherapie Vorteile bringt.

Knoten in der Schilddrüse

Schilddrüsenknoten gehören insbesondere in den Ländern, in denen noch ein Jodmangel herrscht, zu den am häufigsten zur Operation führenden Erkrankungen. Dabei ist es klar, dass bei der Menge der vorkommenden Schilddrüsenknoten auf keinen Fall jeder Knoten operationswürdig sein muss. Z. B. werden Knoten mit einem Durchmesser von weniger als 1 cm im allgemeinen nicht operiert…
Die Entscheidung, ob eine Operation erforderlich ist, hängt von einer Vielzahl von verschiedenen Parametern ab. Dazu braucht der Arzt eine gründliche Ultraschalluntersuchung mit der genauen Verlaufsbeobachtung der Knoten, bei der Erstdiagnose der Knoten ein Szintigramm und verschiedene Laborwerte.

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Es hat sich gezeigt, dass zum einen ein recht großer Anteil der Bevölkerung Schilddrüsenknoten hat, ohne es zu wissen, zum anderen der Begriff „Knoten“ allzu rasch die Assoziation mit bösartigen Erkrankungen weckt (die ja in der Schilddrüse nur sehr selten vorkommen). Dazu muss allerdingsgesagt werden, dass bösartige Erkrankungen in der Schilddrüse extrem selten zu Lebzeiten des Patienten manifest werden. Mehr zu Operationen der Schilddrüse …

Hier ein Download der Broschüre Knotenkropf des Forum Schilddrüse e.V. aus Frankfurt unter Mitwirkung von Dr. Mathias Beyer (PDF-File, 696 kB).

Schilddrüsen in Nürnberg

In Zusammenarbeit mit dem Forum Schilddrüse e.V. aus Frankfurt wurden von den Ärzten der Praxis für Endokrinologie ca 400 Teilnehmer des „Bayerischen Gesundheitstages 2003“ mit einem Ultraschallgerät an der Schilddrüse untersucht. 123 Untersuchungen wurden statistisch ausgewertet. Es ergaben sich folgende Zahlen:

Bei mehr als 50 % der Teilnehmer fanden sich ein oder mehrere Knoten. Die meisten Untersuchten wussten von dieser Tatsache nichts. Ca 40 Personen waren bereits an der Schilddrüse operiert, davon hatten mehr als 50 % bereits erneut Knoten in der Schilddrüse.

Knotenhaeufigkeit
Es zeigt sich, dass in der Region ein großer Bedarf an Schilddrüsendiagnostik bzw. an Information auch der Bevölkerung besteht. Das Forum Schilddrüse hat unter Mitwirkung von Dr. Mathias Beyer aus der Praxis für Endokrinologie eine Informationsbroschüre zum Thema Knotenkropf herausgebracht, die Sie downloaden können (PDF, ca 690 KB).

Die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse gibt Auskunft über die Größe, Form und Struktur des Organs und etwaiger Knoten, nicht aber über die Funktion. Das heißt, dass Über- oder Unterfunktionen bei den untersuchten Teilnehmern des Gesundheitstages nicht erfasst werden konnten. Hier ergeben sich nach unserer Erfahrung noch einmal etliche Patienten, die über Funktionsstörungen ihrer Schilddrüse nichts wissen.

Schilddrüsenoperationen, Betreuung der Patienten vor und nach einer Operation

Die Domäne der Schilddrüsenchirurgie ist nach wie vor der mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung diagnostizierte Knoten. Die Unterscheidung zwischen dem heißen (mehrproduzierenden) und dem kalten (nicht oder weniger arbeitenden) Knoten läßt sich mit Hilfe des Szintigramms klären. Es gilt, dass kalte Knoten potenziell bösartig sein können, wobei das diesbezügliche Risiko insgesamt als gering einzustufen ist. Generell kann man davon ausgehen, dass Knoten mit einem Durchmesser von weniger als 1 cm meist nicht operiert, sondern zunächst beobachtet werden (nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaften für Endokrinologie, Nuklearmedizin, Viszeralchirurgie).
Die Entscheidung, ob eine Operation zu empfehlen ist, trifft derjenige Arzt, der sowohl die Ultraschalluntersuchung durchgeführt hat als auch das Szintigraphiebild beurteilen kann, im Idealfall sollten beide Untersuchungen ebenso wie die Kompetenz der Labordiagnostik in der Hand des selben Mediziners liegen.

Es gibt einige Kriterien, nach denen ein szintigraphisch kalter Knoten als verdächtig bezüglich der Bösartigkeit angesehen wird:

  • Echoarmut
  • unscharfe Randbegrenzung
  • Mehrdurchblutung in den Randbereichen oder innen
  • Mikroverkalkungen
  • ggf. vermehrte Konsistenz gegenüber der Restschilddrüse

Zusätzlich ist das Vorkommen von Lymphknoten (besonders größere, rundliche und gut durchblutete) zu beachten. Kalte, suspekte Schilddrüsenknoten ab einem Durchmesser von 1 cm sollen punktiert werden, das Zellbild erlaubt ggf. eine Unterscheidung in gutartige und bösartige Formen oder auch rein entzündliche Veränderungen. Knoten mit einem Durchmesser von weniger als 1 cm sind im Allgemeinen nicht operationsbedürftig.
Wichtig Eine so genannte „Subakute Thyreoiditis“, die ebenfalls mit knotigen Schwellungen der Schilddrüse einhergeht, stellt normalerweise keine Operationsindikation dar.

Daraus ergibt sich, dass die Sonographie des kalten Knotens mit dafür speziell geeigneten Schallgeräten (hohe Auflösung, Low flow Doppler) und einem Arzt mit ausreichender Erfahrung bei der Beurteilung des Organs durchgeführt werden sollte. Nur mit diesen Voraussetzungen ist es möglich, im Vorfeld einer Operation bereits dezidierte Angaben zum erforderlichen Ausmass der Operation zu machen und dem Chirurgen wertvolle Hilfen an die Hand zu geben. Das generelle Entfernen der kompletten Schilddrüse ist bei einer exakten Vordiagnostik durch den Endokrinologen oder Nuklearmediziner meist nicht erforderlich.

Wir empfehlen bezüglich der Operation der Schilddrüsen keine einzelne Chirurgische Abteilung, sondern haben uns im Laufe vieler Jahre ein gutes Bild über die Zahlen und Häufigkeiten der Schilddrüsenoperationen in den Krankenhäusern der näheren und weiteren Umgebung machen können. Ganz wichtig ist uns die diesbezügliche Unabhängigkeit in der Beratung unserer Patientinnen und Patienten, ohne auf räumliche oder wirtschaftliche Belange Rücksicht nehmen zu müssen!

Nach einer eventuellen Operation der Schilddrüse ist die Kontrolluntersuchung durch einen diesbezüglich erfahrenen Arzt bzw. eine Ärztin sinnvoll, um Funktionsstörungen zu vermeiden und das Risiko eines neuen Knotenwachstums zu minimieren. Später reichen im Allgemeinen jährliche Untersuchungen mittels Ultraschall und Blutentnahme aus.

Hier ein Download der Broschüre „Operation der Schilddrüse“ des Forum Schilddrüse e.V. aus Frankfurt unter Mitwirkung von Dr. Mathias Beyer (PDF-File, 600 kB).

Die Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft

  • Eine sogenannte subklinische Unterfunktion (erhöhtes basales TSH bei noch normaler Schilddrüsenhormonkonzentration) und nachweisbare Schilddrüsenautoantikörper während der Schwangerschaft wurden vor einiger Zeit als Hinweis auf das Risiko einer beeinträchtigten neurologische Entwicklung des Neugeborenen gewertet:
  • Kinder von Frauen mit erhöhtem TSH während der Schwangerschaft zeigten in Intelligenztesten ( im Alter von 7 – 9 Jahren ) in einer älteren Studie ein Ergebnis, das gering unter denen von Frauen mit normalem TSH lag. Mehrere andere Studien konnten dies allerdings nicht bestätigen.

Empfehlung

In der Frühschwangerschaft sollte sicherheitshalber bei allen Frauen mit der Bestimmung des basalen TSH eine latente Hypothyreose ausgeschlossen werden!
Bei allen Frauen mit

  • erhöhten Schilddrüsenautoantikörpern schon vor der Schwangerschaft,
  • einer familiären Belastung in Bezug auf Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse,
  • einer Struma (Schilddrüsenvergrößerung),
  • klinischen Zeichen einer Hypothyreose (Unterfunktion),
  • einer familiären Häufung von Schilddrüsenerkrankungen
muss eine Bestimmung des basalen TSH erfolgen.

    • Frauen mit erhöhtem basalen TSH sollten eine Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen (T4) erhalten bis zum Erreichen eines normalen basalen TSH.
    • Da der Bedarf an Schilddrüsenhormonen während der Schwangerschaft wächst, muss bei substituierten Frauen die Gabe von Schilddrüsenhormonen angepasst werden.
    • Frauen mit normalem basalem TSH, aber erhöhten Schilddrüsenautoantikörpern vor oder während der Schwangerschaft sollten postpartal und langfristig nachuntersucht werden, da sie relativ häufig eine so genannte Post-Partum-Thyreoiditis bzw. eine Hypothyreose entwickeln.
    • Bei Frauen mit Kinderwunsch sollte eine TSH-Bestimmung vorgenommen werden, damit auch eine subklinische Hypothyreose (Unterfunktion) frühzeitig diagnostiziert und schon vor der Schwangerschaft behandelt werden kann. Das heißt aber keinesfalls, dass der Eintritt einer Schwangerschaft ab einer gewissen Grenze nicht mehr gewährleistet ist. Eine Aufgabe der Endokrinologie besteht hier auch in der Vermeidung von unnötigen Ängsten der Patientinnen und Familien.

Die hier gemachten Aussagen decken sich mit denen in der Stellungnahme der AACE (American Association of Clinical Endocrinologists)

Schilddrüse und Nikotin

Ca. 17 Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland sind offiziellen Berichten zufolge nikotinsüchtig. In jedem Jahr sterben bundesweit 110.000 Menschen an Folgen des Rauchens, täglich also etwa 300 Raucher.
Neben den umfassend bekannten Gefäßschädigungen und dem erhöhten Krebsrisiko durch die Nikotinaufnahme, gibt es bei Rauchern auch „im Stillen“ leidende endokrinologische Organe wie zum Beispiel die Schilddrüse. Der vordergründige Mechanismus zur Schädigung dieses Organs besteht in der Störung der Jodversorgung der Schilddrüse durch das im Rauch enthaltene Cyanid. Die in den letzten Jahren zu diesem Thema durchgeführten Studien ergaben zwar teilweise uneinheitliche Ergebnisse in Bezug auf häufigere Vergrößerung und Knotenbildung von „Raucher-Schilddrüsen“, es kristallisierten sich jedoch eindeutig folgende Probleme heraus:

        • Die Schwere der Augenbeteiligung beim Morbus Basedow korreliert mit dem Rauchverhalten
        • Stillende Mütter schädigen die Jodversorgung ihrer Säuglinge durch das Nikotin ganz erheblich
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Download: eine Veröffentlichung von Dr. Mathias Beyer über dieses Thema aus Frankfurt (PDF-File, 93 kB)

Schilddrüse und Alter

Die Frage nach Veränderungen des Schilddrüsenstoffwechsels im Alter hat die Thyreologen bereits zu Zeiten beschäftigt als man anfing, Schildrüsenhormone zu messen und Krankheitsbilder der Schilddrüse zu begreifen. Dabei standen schon rein zahlenmäßig zunächst die Überfunktionen im Vordergrund, hervorgerufen einerseits durch im Alter häufigere Autonomien, andererseits durch Jodkontaminationen im Rahmen der zunehmenden Diagnostik der 70er Jahre. Alte Menschen mit oft diskreten laborchemischen Hinweisen auf eine latente Hyperthyreose bildeten ein gutes Kollektiv zur Austestung der sensitiverer Meßmethoden. Noch Anfang der 80er Jahre war es erforderlich, von wissenschftlicher Seite aus für eine routinemäßige Bestimmung von Schilddrüsenhormonen in Krankenhäusern zu plädieren.

Die menschliche Schilddrüse ist im hohen Alter verschiedenen Einflüssen ausgesetzt:

        • Allgemeine Gefäßsklerose</li>
        • Nachlassen von steuernden Aktivitäten der Hirnanhangsdrüse und des Hypothalamus
        • Vermehrung von Sklerosierungen und damit Verminderung der hormonproduzierenden Zellmasse
        • Zunahme von Knotenbildung mit autonomen Bezirken und Carcinomen
        • Einnahme von Medikamenten, die die Schilddrüsentätigkeit beeinflussen
        • Durch den Zeitverlauf bedingt höhere Zahl von Schilddrüsenoperationen und aufgetretenen Autoimmunthyreopathien („Schilddrüsenentzündungen“) als bei jungen Menschen
        • Fokussierung der medizinischen Fürsorge auf offensichtlichere Erkrankungen wie koronare Herzerkrankung, Diabetes, Frakturen, Demenz

Neurologen und Psychologen können belegen, dass Funktionsstörungen der Schilddrüse zu den häufigsten sekundären Ursachen für Alzheimer- und Demenzerkrankungen gehören. Aufgabe des Arztes ist es zu erkennen, in welchem Maß eine Störung der Schilddrüsenfunktion für den alten Menschen eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens oder sogar eine Gefährdung darstellt. Wichtig ist, mit dem Alter des Patienten angepassten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zu reagieren.

Downloads zu diesem Thema:
aus Frankfurt (PDF-File, 70 kB)
Hypothyreose im Alter (Vortragszusammenfassung Heidelberg 2005, Dr. Mathias Beyer)

Schilddrüsenfunktionsstörungen durch Amiodarone

In der letzten Zeit werden wir als Endokrinologen zunehmend mit Problemen konfrontiert, die sich aus der Behandlung von Herzrhythmusstörungen durch das Medikament Amiodarone (Amiodaron) ergeben. Diese Substanz enthält ca 6000 µg Jodid pro 200 mg (1 Tablette) und ist eines der wenigen Medikamente auf dem Markt, das in diesen Größenordnungen Jod zur Verfügung stellt. Zur Erinnerung: die Schilddrüse benötigt normalerweise ca 150 µg Jodid pro Tag zur Herstellung der Schilddrüsenhormone.

Es kann unter einer Behandlung zu sehr dramatischen Schilddrüsenüberfunktionen kommen (ca 10 – 15 % der Patienten werden unter der Behandlung hyperthyreot). Diese Störungen sind oft sehr schwer medikamentös zu behandeln und erfordern häufig ein rasches operatives Vorgehen. Auch Unterfunktionen der Schilddrüse treten unter bestimmten Bedingungen auf, sind im Verlauf jedoch im Allgemeinen nicht so dramatisch (müssen aber erkannt und behandelt werden…). Da die Abauprodukte des Medikamentes im Fettgewebe gespeichert werden, dauert die Belastung durch die hohen Jodmengen teilweise monate- oder jahrelang.

Prinzipiell ist ein Patient, der eine Amiodaron-Therapie erhält, gleichzeitig ein Schilddrüsenpatient! Aus diesem Grund ist vor einer Behandlung mit Amiodaron eine kompetente und vollständige Diagnostik der Schilddrüse zwingend erforderlich:

        • Bestimmung von TSH, ggf. auch des freien T4 und freien T3
        • Sonographie der Schilddrüse
        • bei Knotenbildung oder im unteren Normbereich gelegenem TSH zusätzlich eine Szintigraphie
        • bei entsprechender Echostruktur der Schilddrüse Bestimmung der Schilddrüsenantikörper
Amiodaron

Auffällige Befunde müssen vor Beginn der Amiodarongabe geklärt werden, hier ist der Endokrinologe, der schilddrüsenerfahrene Nuklearmediziner oder Internist gefragt. Es kann sein, dass eine Schilddrüse vor Beginn einer Therapie definitiv saniert werden muss. Ist es erst einmal zur Entwicklung einer Überfunktion der Schilddrüse unter Amiodaron gekommen, muss auf jeden Fall ein mit dieser endokrinologischen Fragestellung vertrauter Spezialist hinzu gezogen werden.

Als Alternative bot sich Ende 2009 das strukturverwandte Medikament Dronedaron (Handelsname Multaq®) an. Hier fehlen die Jodidkomponenten, in der ATHENA-Studie (2005 – 2008) konnte eine Wirksamkeit gegen Herzrhythmusstörungen nachgewiesen werden. Längere praktische Erfahrungen mit dieser neuen Substanz ergaben, das ob sich das Medikament wegen einer insgesamt nicht so starken Wirkung nicht am Markt durchsetzen kann.
Dronedaron