Wechseljahre

Hormone in den Wechseljahren

Was galt früher?

Bis zum Ende der 90er Jahre wurde Frauen in der Menopause eine Hormonersatz-Therapie empfohlen

  • bei Wechseljahrsbeschwerden
  • zur Verhinderung der Osteoporose
  • zur Reduktion des Herzinfarktrisikos.

Die Annahme, dass eine Hormon-Ersatz-Therapie in der Menopause zu einer Abnahme des Herzinfarktrisikos führe, wurde aus den Ergebnissen einer Vielzahl epidemiologischer Studien abgeleitet, die eine geringere Anzahl von Herzinfarkten bei Frauen unter einer Hormon-Ersatztherapie nachgewiesen haben.

Die Diskussion

Seit ca 1998 – 2000 wurde die Reduktion des Gefäßrisikos kontrovers diskutiert. Vorläufige Ergebnisse einer sog. „randomisierten Doppelblindstudie“ hatten keinen Vorteil der Hormon-Ersatz-Therapie in Bezug auf das Herzinfarktrisiko ergeben. (Randomisierte Doppelblindstudien, bei denen weder Arzt noch Patient weiss, ob das Hormon oder ein Placebo verabreicht wurde, werden als die mit Abstand aussagekräftigsten Studien angesehen.)

Die Ergebnisse der „Women’s Health Initiative Study“

Die „Women`s Health Initiative Study“, die an ca. 16.000 Frauen unter kombinierter Östrogen-Gestagen-Therapie durchgeführt wurde, ist eine randomisierte Doppelblindstudie, die Mitte 2002 veröffentlicht wurde. Sie hat gezeigt, dass im Gegensatz zu früheren Ergebnissen bei Verabreichung einer Östrogen-Gestagen-Ersatz-Therapie in der Menopause die Herzinfarkt- und Schlaganfallrate nicht abnimmt, sondern sogar um 25 – 30 % höher liegt als bei Frauen, die Placebo erhielten. Die bekannten Probleme von Seiten des Thrombose- und Brustkrebsrisikos haben sich erneut bestätigt. Eine Minderung des Risikos um 25 – 30% ergab sich für Dickdarmkrebs und die Oberschenkelhalsfraktur (s. Abb.).

Um die Interpretation der Ergebnissezu erleichtern, haben wir in die Abbildung den Einfluss des Rauchens auf die Herzinfarktrate bei Frauen als Bezugsgröße eingefügt. Das Rauchen von 20 Zigaretten pro Tag erhöht das Herzinfarktrisiko der Frau um 400 %!

E2Diagramm
Die „One Million Women Study“

August 2003: Diese Studie erfasst nahezu 25 % der weiblichen Bevölkerung in Großbritannien im Alter zwischen 50-64 Jahren.
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Gibt es triftige Gründe, Östrogene in den Wechseljahren einzunehmen?

Der Ausfall der Produktion weiblicher Hormone löst bei vielen, aber nicht allen Frauen heftige, oft die Lebensqualität erheblich beeinträchtigende Beschwerden aus.
Der Grund für das unterschiedliche Betroffensein der Frauen ist bis heute noch völlig ungeklärt. Zusätzlich ist auch der Umgang mit der Beschwerdesymptomatik sehr unterschiedlich: Was von einer Frau als naturgewollte Umstellung akzeptiert wird, bedeutet für eine andere eine gravierende Beeinträchtigung ihrer Gesamt-Situation. Wenn zudem noch gleichzeitig eine Osteoporose vorliegt, kann die Östrogentherapie eine sehr sinnvolle Kombination der Behandlung mehrerer Probleme darstellen.

Wechseljahrsbeschwerden
  • Hitzewallungen
  • Schweißausbrüche
  • Schlafstörungen
  • Depressive Verstimmung
  • Nervosität, Reizbarkeit
  • Gelenkschmerzen
  • Blasenprobleme
  • Hautveränderungen
  • Trockene Schleimhäute
  • Trockene Haut
  • Haarverlust
  • Vermehrte Behaarung
Die Gabe von Östrogenen ist oft in der Lage, diese Beschwerden zu beheben, die Lebensqualität wieder zu normalisieren. Deswegen stellen die Östrogene ein wichtiges Therapieprinzip dar. Wie für jede Therapie muss allerdings eine Risikoabwägung erfolgen.
Jede Patientin muss – nach eingehender ärztlicher Beratung – für sich entscheiden, ob die Beschwerden so erheblich sind, dass sie ein zusätzliches, wenn auch geringes Risiko auf sich nehmen will.

Bessern sich die Wechseljahrsbeschwerden unter einer Therapie allerdings nicht wesentlich, so besteht kein Grund für eine Fortführung der kombinierten Hormonersatztherapie in der Menopause.

Waage
Was empfehlen wir?

In vielen vorliegenden Studie wurde der positive Effekt einer Östrogen-Gestagen-Therapie in der Menopause auf die Verhinderung von Oberschenkelhalsfrakturen gezeigt. Bei Vorliegen einer Osteoporose und gleichzeitig bestehenden klimakterischen Beschwerden ist der Hormon-Ersatz unter Inanspruchnahme regelmäßiger gynäkologischer Vorsorgeuntersuchungen die Therapie der ersten Wahl. Insbesondere nach einer Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) gibt es Daten aus der WHI-Studie, die die Risiken einer alleinigen Östrogengabe (Monotherapie) nicht mehr in einem dramatischen Licht erscheinen lassen (s. Download des Newsletters der Deutschen Menopause Gesellschaft vom Juni 2011)
Für die Behandlung der Menopausen-Osteoporose stehen neben den Östrogenen weitere effektive Medikamente zur Verfügung. Wenn keine klimakterischen Beschwerden bestehen, sollte diesen der Vorzug gegeben werden.

Was ist offiziell?
  • S3-Leitlinie der zuständigen Deutschen Fachgesellschaften vom September 2009, publiziert bei der AWMF
  • Anwendungsempfehlungen verschiedener deutschsprachiger Fachgesellschaften vom Oktober 2012, publiziert in der Zeitschrift „Frauenarzt“
  • Anwendungsempfehlungen der IMS (International Menopausal Society) als Update 2013 (freundlicherweise übersetzt von E. Boschitsch, Wien)

Wechseljahre des Mannes

Der Begriff der Wechseljahre ist bei Frauen seit vielen Jahren etabliert und akzeptiert.

Bei Männern lässt sich ein so rascher Abfall der Hormonproduktion (in diesem Fall des Testosterons) normalerweise nicht nachweisen. Trotzdem weiss man, dass beim Mann die Testosteronkonzentrationen im Laufe der Zeit bzw. im Alterungsprozess deutlich absinken. Die Unterschiede des Verlaufs erläutert die Grafik:

WJahreVerlauf

Es lässt sich deutlich erkennen, dass der Unterschied hauptsächlich in der Geschwindigkeit des Konzentrationsabfalls liegt. Hier spielt wahrscheinlich eine im Laufe der Zeit nachlassende Stimulationswirkung der Hypophyse eine Rolle.

Welche Beschwerden ?

In einer endokrinologischen Sprechstunde beklagen Männer folgende Beschwerden:

  • Leistungsverlust
  • Konzentrationsmangel
  • Stimmungsschwankungen
  • Libido- und Potenzstörungen
  • Nachlassen der Muskelkraft
  • Gewichtszunahme
  • Schlafstörungen

Es wird klar, dass verschiedene körperliche Veränderungen, die sich teilweise durch jahrelange Verhaltensweisen, teilweise durch „Verschleißerscheinungen“ vieler Organe ergeben, zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt mit familiären und sonstigen sozialen Veränderungen zusammenkommen (Trennungsproblematiken, berufliche Veränderungen usw.)

Die ärztliche Kunst liegt nun darin, herauszufinden, ob der in vielen Fällen nachweisbare Mangel an Testosteron beim einzelnen Patienten zu Beschwerden oder Problemen führt, die durch die Gabe bzw. den Ersatz von Testosteron verbessert werden können.